Marko Leino: In der Falle

knvmmdb-44.dllEiniges in Marko Leinos Kriminalroman „In der Falle“  mag einem von anderen finnischen Romanen einigermaßen bekannt vorkommen. In diesem Fall sind das finnische Kleinkriminelle, die von einem etwas unbestimmten, besseren Leben träumen und dabei an ziemlich ungemütliche, russische Großkriminelle geraten. Ganz nebenbei wird heftig gesoffen. Erzählerisch mildert ein hier sehr zurückhaltender, schwarzer Humor die allgegenwärtig scheinende Melancholie etwas  ab. Das soll nun keinesfalls den Eindruck erwecken, Marko Leino habe sich da einfach aus dem Baukasten bedient und einen Kriminalroman nach bekanntem Muster zusammengeschraubt. Dafür schreibt der Mann einfach zu gut.

Vesa ist der Sohn eines kleinkriminellen Alkoholikers, der meint, bei den Geschäften seines Chefs einen Schnitt für sich machen zu können. Der Boss aber bestellt Vater und Sohn ein. Den jungen Vesa zwingt er, den eigenen Vater zu erschießen und ihn anschließend auf einer Baustelle in Beton zu beerdigen. Unter der Drohung, wenn er nicht spure, werde die Bande auch seine Mutter töten, muss Vessa die Schulden seines Vaters abzahlen, indem er Amphetamine von Estland nach Finnland schmuggelt. Der Amphetaminhandel ist indes nur ein kleiner Geschäftszweig jener russischen Mafia, die hier die Fäden zieht.

Derweil ist der Drogenpolizist Luha Viitasalo hinter einer großen Sache her. Anscheinend plant  eine russische Mafia, den europäischen Markt mit Heroin zu überschwemmen. Finnland ist dabei ein wichtiges Transitland und Vesas Chef einer von deren Kontaktpersonen. Allein, der Polizist hat keine Beweise und ist zudem nicht integer. Aus Geldsorgen hat er sich vor Jahren von einem Kriminellen namens Sundström (auch er spielt bei dem geplanten Deal eine Rolle) einspannen lassen und der setzt ihn seither unter Druck. Zudem ist Viitasalos Frau schwer depressiv, leidet unter Wahnvorstellungen, bringt um ein Haar ihr gemeinsames Kind um, reißt sich und ihren Mann mit unsinnigen Ausgaben weiter in den Schuldensumpf und versucht schließlich sich selbst zu töten.

In Marko Leinos klug inszeniertem Roman stecken alle fest, hängen in ganz unterschiedlichen Lebensfallen und man ahnt schon zeitig, dass das für alle Beteiligten böse enden wird. Auf Seiten der Kriminellen versucht da jeder jeden zu linken, hat jeder seine eigenen Pläne, spielen alle ein doppeltes Spiel, ohne zu merken, dass die andere Seite den Verrat stets mitdenkt und die Spielanordnung entsprechend verändert. Die Polizei ist den entscheidenden Schritt hinterher und einer, der den richtigen Riecher hat, steckt handlungsunfähig in der Zwickmühle.

Mit Empathie und ziemlich stacheligem Witz stellt Leino einige tief ausgelotete und in vielen Facetten greifbare Figuren wandelnden Klischees, wie etwa einem serbischen Kriegsverbrecher und Haudrauf, gegenüber, taucht ein in die verschiedenen Milieus und schafft damit eine so einfache wie vielschichtige Erzählung. Klasse Buch.

Marko Leino: In der Falle. Deutsch von Anu Pyykönen-Stohner. Paul Zsolnay-Verlag. 446 Seiten. 19,90 Euro.

(c) Frank Rumpel

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