Óscar Urra: Harlekin sticht

knvmmdb-42.dllIn seinem zweiten Roman schickt der spanische Autor seinen stets abgebrannten, weil spielsüchtigen Detektiv Juan Cabria in Madrid los, um einen Serienmörder zu fassen, der bereits einen Zuhälter, einen Pater und einen Bordellbesitzer ins Jenseits befördert hat und dabei stets eine Harlekin-Spielkarte zurück ließ. Das klingt wenig originell, weil gefühlt bereits dutzendfach ausgedacht. Doch der 1970 geborene Urra inszeniert seine Geschichte sprachlich virtuos, vor allem aber  mit scharfem Witz.

Den Auftrag, in dem Fall zu ermitteln, erhält der Detektiv von der Polizei, denn die will sich die Finger nicht schmutzig machen und Cabria im Blick behalten. Dessen Hauptinformant ist sein Bruder, ein Pater, den er im Gegenzug mit Drogen versorgt. Die Ermittlungen wollen aber nicht so recht voran kommen, da Cabria, der zur Entspannung gerne mal eine Kinokarte löst, um in Ruhe zu schlafen, vor allem damit zu tun hat, zwei ziemlich robust vorgehenden Polizisten zuvor zu kommen. Die meinen, der Detektiv habe belastendes Material gegen sie in der Hand, das ein schwer verletzter Polizeikollege, der zuletzt mit Cabria zu tun hatte, gesammelt haben soll.

Die Konstruktion ist eher schlicht, doch hat Urra das alles wieder mit reichlich Sinn für auf die Spitze getriebene, groteske  Situationen in Szene gesetzt. Dazu hält er Distanz zu seinen Figuren, was streckenweise gut funktioniert, der ganzen Geschichte aber gelegentlich auch etwas Sprödes, wenig Zwingendes gibt. Bei Urra kommt dabei aber unterm Strich immer noch ziemlich gute Unterhaltung raus.

Oscar Urra: Harlekin sticht. Deutsch von Peter Kultzen. Unionsverlag metro. 281 Seiten. 16,95 Euro.

(c) Frank Rumpel

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