Josef Kleindienst: Mein Leben als Serienmörder

Einen Serienmörder spielen – nicht eben der Traum des ungelernten Schauspielers und Schriftstellers Konrad Mola. Aber was macht man nicht alles für Geld. Also geht er zum Dreh, spielt den Frauenmörder in einer TV-Produktion. Und was da als Witz auf der Cocktailparty noch für Erheiterung sorgt, wird ihm nach und nach zum existentiellen Ballast. Denn nach der Party zieht er mit dem Produzenten so gründlich durch die Bars, dass sich am nächsten Morgen partout keine Erinnerung mehr einstellen will. Das ist schlecht, denn die Polizei will wissen, was er an einem Tatort zu suchen hatte. Eine Überwachungskamera hatte ihn just dort gefilmt, wo kurz darauf eine tote Prostituierte gefunden wurde. Einer, der einen Serienmörder spielte und dann einem echten Mordschauplatz so nah kommt – das weckt Interesse bei den Behörden. Und je länger deren Untersuchungen andauern, desto mehr beginnt Mola an sich selbst zu zweifeln. Könnte es sein, dass er tatsächlich einen Mord begangen hat? Aber weshalb und vor allem: an wem? Also versucht er, Erinnerungen aufzuspüren, Lücken zu rekonstruieren, die irgendwie zu den Ermittlungsbruchstücken der Polizei passen und die Antworten als begehbare Planken über einen Abgrund zu schieben, dessen Tiefe er noch nicht abschätzen kann.

Der 1972 geborene, in Wien lebende Josef Kleindienst veröffentlichte Romane (2010 erschien sein Debüt „An dem Tag, als ich meine Friseuse küsste, sind viele Vögel gestorben“, mit dem er auch beim Bachmann-Wettbewerb antrat), Drehbücher und Theaterstücke. Gelegentlich arbeitet er auch als Schauspieler. In dieser Groteske nun geht er der Frage nach, wie gut man sich selbst kennt, wie viel man sich zutraut und wie sehr dieser Zweifel doch die eigene Glaubwürdigkeit untergräbt – zumal plötzlich vieles öffentlich ausgetragen wird. Molas Freundin will nichts mehr mit ihm zu tun haben, einige Zeitungen nähren Spekulationen, der Produktionsfirma scheint die PR gelegen zu kommen, während dem Protagonisten selbst alle Gewissheiten wegzubröseln drohen. Das ist amüsant, weil dick aufgetragen, eine Geschichte um einen vermeintlichen Identitätsverlust, um öffentliche Vorverurteilung, eine hoffnungslose Suche nach etwaigen Motiven und Möglichkeiten, eine verspielte, satirische Erkundung eines durch ein paar Zufälle ins Taumeln geratenen Lebens.

Josef Kleindienst: Mein Leben als Serienmörder. Sonderzahl Verlag, Wien 2022. 182 Seiten, 20 Euro.

(c) Frank Rumpel

Erschienen bei www.culturmag.de

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