Hans Platzgumer: Bogners Abgang

Die Kunst, in der Kunst zu leben, nicht mit und schon gar nicht von ihr – für Andreas Bogner, einem der Protagonisten in Hans Platzgumers neuem Roman, funktioniert das zunächst ganz gut. Er hat geerbt und kann sich seiner künstlerischen Arbeit widmen, die nicht nach draußen drängt und ihn dennoch ganz einnimmt und unglücklich macht. Wie ein Besessener tüftelt er an seinen Projekten, für die er eben doch nach Anerkennung giert, entsprechend heftig trifft ihn das Urteil eines Kritikers, als er sich mit einer Arbeit an die Öffentlichkeit wagt. Vernichtend ist es und Bogner bedient. Groll und Selbstzweifel nagen an ihm.

Ein zweiter, rückwärts laufender Erzählstrang beginnt mit einem tödlichen Unfall. Eine Studentin überfährt an einer Kreuzung in Innsbruck eine Person und begeht Fahrerflucht. Ihrer Mutter gesteht sie den Unfall, behauptet aber, das Opfer sei nur leicht verletzt. Die Mutter hilft ihr, die Tat zu vertuschen und doch kommt sie nicht davon los. Ins Leben vor dem Unfall findet sie nicht mehr zurück und jeden weiteren Tag mehren sich auch bei ihr die Zweifel.

Hans Platzgumer, Jahrgang 1969, ist als Musiker (in den 90ern mit HP Zinker und den Goldenen Zitronen, später mehr Elektronisches) und Autor (von Romanen, Essays und Hörspielen) ein produktiver Tausendsassa. Kristallisationspunkt seines aktuellen knapp und präzise erzählten Romans Bogners Abgang ist der Unfall, um den herum sich die aufeinander zulaufenden Geschichten drängen. Ausgiebig widmet sich der um seine Protagonisten kreisende Platzgumer da etwa der grotesken Auseinandersetzung zwischen Künstler und Kritiker, den jeweiligen Befindlichkeiten und jener roten Linie, die da in beide Richtungen überschritten wird. Vor allem aber ist es ein spannender Roman über den Umgang mit Schuld und Ungewissheit, mit Extremsituationen, fatalen Entscheidungen und dem Gefühl, zu weit in die falsche Richtung gegangen zu sein. Und schuldig gemacht hat sich hier am Ende jeder auf seine Art.

Hans Platzgumer: Bogners Abgang. Zsolnay, Wien 2021. 143 Seiten, 20 Euro.

(c) Frank Rumpel

Erschienen bei Crimemag

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