Uta-Maria Heim: Toskanisches Erbe

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Uta-Maria Heim räumt auf. Im vierten Teil ihrer Toskana-Reihe führt sie ihre zuvor wild zwischen Florenz und Konstanz mäandernden Erzählfäden zusammen. Bis dahin war ein totgeglaubter Mafioso wieder aufgetaucht und wurde dann abermals erschossen, gab ein katholischer Geistlicher für eine dem Pietismus und dem IS entronnenen Frau Zölibat und Pfarrstelle auf, mischte ein vatikanischer Geheimdienst, ein dubioser Geheimbund, eine toskanische, schwer katholische Mafia samt einer bestens vernetzten und gut bewaffneten ehemaligen Verfassungsschützerin munter mit.

Die Lage also war eher unübersichtlich und so ganz offen liegt freilich auch diesmal nicht alles da. Protagonistin Giula Franca hat mit alten Geschichten zu kämpfen. Ehemalige Weggefährten entpuppen sich als Mafiosi mit unklaren Interessen, sie selbst wird bedroht und in Florenz angeschossen, flieht nach Konstanz, wo es auch keine Sicherheit gibt. Der dortige Pfarrer ist zwar wieder im Amt, hat aber neben den Ostervorbereitungen mit dem Verschwinden eines mehrfach behinderten Kindes zu tun. Außerdem sitzt sein Vater offensichtlich simulierend im Pflegeheim. Dazu sorgt etwas Paranoia bei allen Beteiligten nicht ganz zu Unrecht für Unruhe.

Gut, so richtig geordnet klingt auch das nicht und doch lichtet Heim hier mit ein paar herzhaften Hieben das Chaos und bringt alles zusammen, was sie in den vorangegangenen Romanen angezettelt hat. Bis auf den etwas überstürzten Schluss ist ihr damit wieder ein abgedrehter und unausrechenbarer Roman gelungen, eine mit rasiermesserscharfem Witz überspitzte Erzählung aus dem Hier und Heute. Die Romane sind eine stete, so intellektuelle, wie unterhaltsmae Auseinandersetzung mit katholischer Kirche und regionaler Verfasstheit, so irrwitzig, dass da eine kleine Splattereinlage ebenso Platz findet wie ruppig philosophische Volten. „Das Internet frisst die letzten Brosamen Verstand“, heißt es da, aber: „Es war schon schlimmer. Wir machen uns nur wichtig, wenn wir vom zeitgeistigen Weltuntergang reden.“ Die Geschichte ist gnadenlos überdreht, im einen Moment schrill, spröde, hanebüchen, im nächsten ganz ruhig, klar und analytisch. Keine holzt mit so viel Verve und Esprit durch die Regionalkrimiabteilung.

Uta-Maria Heim: Toskanisches Erbe. Roman, Messkirch, 2020. Gmeiner-Verlag, 311 Seiten, 15 Euro.

(c) Frank Rumpel

Erschienen bei http://www.culturmag.de

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