Christoph Peters: Das Jahr der Katze

Das Jahr der Katze von Christoph Peters

Das alte und das neue Japan treffen in Christoph Peterszweitem Thriller „Das Jahr der Katze“ gewaltsam aufeinander. Fumio Onishi ist bei der Yakuza-Organisation Nekodoshi-gumi der Mann fürs Grobe,  hat in Berlin aber etwas über die Stränge geschlagen, als er dort die vietnamesische Mafia aufmischte („Der Arm des Kraken“). Mit seiner deutschen Freundin Nicola zurück in Tokio gerät er selbst in die Schusslinie, hat er der Yakuza, die lange auch eine wichtige gesellschaftliche Rolle spielte, mit seinem eigenmächtigen Handeln doch Unruhe und Aufmerksamkeit gebracht. Beides schätzen die kriminellen Geschäftemacher nicht besonders, zumal die Branche im Umbruch ist. Die Jungen wollen ihr Geld mit lange verpönten harten Drogen und Internetkriminalität machen, die alten „Werte“ zählen nichts mehr. Das bekommt auch der Kampfkunst-Meister Harara zu spüren, der über Jahrzehnte Yakuza-Mitglieder ausbildete und noch an den Kodex der Samurai und eine alte Gesellschaftsordnung glaubt. Er deckt seinen Schüler Onishi und bringt so die Nekodoshi-gumi-Führung gegen sich auf. Mitten drin ist die Deutsche Nicola, die da in zahlreiche gesellschaftliche Fettnäpfchen tritt, aber auch keineswegs bereit ist, einfach zu akzeptieren, was da um sie herum geschieht.

Peters fängt das gekonnt aus zwei Perspektiven ein, bleibt bei Onishi und Nicola außen, während er Meister Harara offenbar mit Lust selbst zu Wort kommen lässt, tief eintaucht in die reaktionären, von strenger Ordnung und eiserner Disziplin geprägten Denkmuster des alten Kämpfers, der sich freilich auch intensiv mit Zen-Buddhismus und dessen Einfluss auf Leben und Kampf auseinandergesetzt hat. Harara ist noch Teil einer alten Welt und setzt folgerichtig bei entscheidenden Kämpfen, die es bei schwerwiegenden Störungen innerhalb krimineller Organisationen ja gerne mal gibt, noch ganz auf das Schwert als Waffe – mit dem er stets auch seine Werte verteidigt. Peters japanische Landschaften, durch die sich seine Protagonisten bewegen, bleiben bisweilen etwas blass. Sehr schön zeigt er dagegen mit einem übersichtlichen Setting die Bruchlinien auf, an denen neues und altes Denken kollidieren, an denen sich vermeintlich festgefügte Ordnungen aufzulösen oder zu verändern beginnen.

Christoph Peters: Das Jahr der Katze. Roman. Luchterhand-Verlag, München 2018. 352 Seiten, 22 Euro.

(c) Frank Rumpel

Erschienen bei Culturmag

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