Thomas und Daan Heerma van Voss: Zeuge des Spiels

Einen zwar nicht besonders originellen, aber doch interessanten Kriminalroman hat das niederländische Brüderpaar Dan und Thomas Heerma van Voss mit „Zeuge des Spiels“ geschrieben. In den Sümpfen bei New Orleans wird eine junge Frau ermordet – und ihr Freund als Verdächtiger festgenommen. Dessen Vater lebt in den Niederlanden, hat selbst erlebt, wie es ist, unschuldig ins Visier der Ermittlungsbehörden zu geraten. Vor fünf Jahren wurde seine Frau umgebracht und er der Tat beschuldigt. Ein Gericht sprach ihn zwar frei, doch warf den Psychiater das Ganze völlig aus der Bahn. Das will er seinem Sohn nun ersparen, reist in die USA und versucht auf eigene Faust zu ermitteln, weil er den Behörden nicht traut. Doch das geht gründlich schief. Ein Privatdetektiv, den er anheuert, wird selbst zum Opfer. Und der immer wieder zu Wort kommende Täter gewinnt mehr und mehr Selbstvertrauen.

Die beiden Autoren, die jeweils auch eigene Bücher veröffentlichen (von Thomas Heerma van Voss erschien voriges Jahr „Stern geht“, von seinem Bruder Daan kommt im Dezember  „Abels letzter Krieg“) loten in diesem ersten gemeinsam geschriebenen Roman die Untiefen ihren Figuren sehr genau aus. Die ermittelnde Kommissarin etwa hatte einen Burnout, wird von ihren Kollegen gemobbt, droht sich erneut zu überfordern und muss sich schließlich entscheiden zwischen ihrer eigenen Gesundheit und dem Makel, einen Unschuldigen vor Gericht gebracht zu haben. Der Vater will seinen Sohn retten. Der aber will sich auf keinen Fall von seinem Vater helfen lassen, den er für einen Mörder hält. Eine ziemlich verfahrene Situation also, von der die beiden Brüder konzentriert mit viel Atmosphäre und Sinn für die leisen Töne erzählen. Die Kriminalgeschichte indes ist nicht besonders überraschend, gelegentlich auch etwas plump. Spannender ist da schon die Figur des Vaters, dessen Glaube an die Menschheit ja fast schon verloren ging und der nun mitten in seiner blinden, auf Vermutungen und Vorurteilen fußenden Rettungsaktion für seinen Sohn, wie für sich selbst einen bitteren Realitätsschock erleidet

Thomas und Daan Heerma van Voss: Zeuge des Spiels. Schöffling & Co, Frankfurt 2018. 304 Seiten, 18 Euro.

(c) Frank Rumpel

Erschienen bei www.culturmag.de

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