Uta-Maria Heim: Toskanisches Feuer

Bodensee und südliche Toskana, Konstanz und Florenz hat Uta-Maria Heim für ihre Serie zusammengespannt samt illustren Personals. Darunter sind ein Pfarrer und seine „andersbegabte“ Schwester, eine ehemalige Zahnarztgattin und Restaurantbesitzerin, deren Mutter beim Verfassungsschutz war, ein syrischer Flüchtling, ein windiger Psychiater, dubiose Nonnen, ein Anwalt, der ein Mafioso sein könnte. Von Florenz nach Konstanz und zurück in die spätsommerliche Toskana verlagert sich die Geschichte von „Toskanisches Feuer“. Dort wird ein Ehepaar aus Konstanz erschossen, der syrische Flüchtling Tamir, der kaum Arabisch, dafür aber ein altertümliches Deutsch spricht, macht einen alten Schulkameraden ausfindig, der sich dem IS anschließen wollte. Der Pfarrer findet im Auto eine nackte Nonne mit Wundmalen. Und so entwickelt sich eine groteske Geschichte, in der Heim einige Fäden aus dem ersten Band „Toskanische Beichte“ (in der es unter anderem um die verhinderte Seligsprechung eines Papstes und eine dubiose Geheimgesellschaft ging) weiterspinnt, versanden lässt, umdeutet, neue entwickelt.

Ihre Figuren sind dabei ziemlich eigen. Der Pfarrer etwa ist ein Zweifelnder, dem nach einem Burnout zunehmend der Glaube an die Kirche verloren geht. Die ehemalige Stuttgarter Verfassungsschützerin dagegen scheint ganz genau zu wissen, wie der Hase läuft und versteht es, ihre Argumente auch mal mit einer HK MP 7 Nachdruck zu verleihen. Und zwei Pietistinnen von der Alb tauchen da mal als IS-Bräute in Rakka, mal als erzkatholische Teufelsaustreiberinnen in Florenz auf. Ja, so kann man das auch mal drehen. Wild und ausufernd ist die Geschichte, durchwirkt mit anarchischem Humor, wenngleich dieser Roman fast gesittet beginnt, bevor die Autorin dann doch noch den Turbo anwirft.

Alles dreht sich um seltsame Geheimdienstoperationen, halb verdeckte Ermittler, Rechtspopulismus, religiösen Fanatismus und gutes Essen. Nebenbei greift sie reichlich aktuelle Diskussionen auf – das reicht von der sexuellen Selbstbestimmung behinderter Menschen, über den Vegan-Hype bis zur Rekrutierung junger Leute für den IS. Sie ist hellwach, politisch und in andauernder Auseinandersetzung mit dem Katholizismus. Dazu schreibt Heim mit fein dosierten Dialekteinsprengseln, die den Text immer wieder unaufdringlich, aber prägnant zu färben, die Sprecher, samt ihres Hintergrunds zu verorten wissen. Und sie macht sich einen Spaß daraus, zu zeigen, wie frisch und ungefühlig sich doch Sonnenuntergänge, Meerlandschaften, Wetterphänomene einfangen lassen. Mal wieder ein sehr schöner Roman, aberwitzig, überdreht, stachlig, auch mal leise und spröde, stets anspielungsreich und scharfsinnig. So kann Regionalkrimi auch aussehen.

Uta-Maria Heim: Toskanisches Feuer. Gmeiner-Verlag, Meßkirch, 2018. 308 Seiten, 15 Euro.

(c) Frank Rumpel

Erschienen bei www.culturmag.de

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