Mike Nicol: Korrupt

Korrupt von Mike Nicol

Weiter in Hochform (ein Tief war bisher nicht auszumachen) zeigt sich der südafrikanische Autor Mike Nicol in seinem aktuellen Politthriller „Korrupt“ (im Original „Agents of the State“), mit dem er an den hierzulande 2015 erschienenen „Bad Cop“ (im Original mit etwas mehr Understatement  „Of Cops and Robbers“) anschließt. Nicols Südafrika ist in diesem Roman in einer Phase angelangt, in der der Präsident sein Amt auf Lebenszeit ausübt. Man kennt das Modell aus vielen afrikanischen Staaten. Er ist hochgradig paranoid, residiert in einem gigantischen Palast, hat gleich mehrere Frauen und ist vor allem daran interessiert, seine Pfründe zu sichern. Die Geheimdienste wurden in einem einzigen Dienst verschmolzen, der allerdings so weit verzweigt ist, dass eine Abteilung oft nichts von der anderen weiß.

Nicols Protagonistin Vicky Kahn, in „Bad Cop“ noch Anwältin, hat bei eben diesem Geheimdienst angeheuert und wird für ihren ersten Auftrag nach Paris und Berlin geschickt. Sie soll eine Informantin zurück nach Südafrika bringen, die über Kindesentführungen aussagen will, in die auch der Präsidentensohn verwickelt sein soll. Allerdings geht dieses Treffen ebenso schief, wie jenes mit einem Kontaktmann in Berlin, der Vicky zwar interessante Informationen zum Tod ihrer Tante gibt, die noch in Apartheidstagen in Paris ermordet wurde, dann aber umgebracht wird, bevor er die Geschichte zu Ende erzählen kann. Derweil wird in Kapstadt ein General der Zentralafrikanischen Republik angeschossen. Fish Pescado, Privatdetektiv, Surfer und Vickys Freund, mischt am Rande bei den Ermittlungen mit. Zufällig besitzt der südafrikanische Präsident eine Goldmine in der Zentralafrikanischen Republik, in der es nicht ganz rund läuft. Also schickt er seinen Sohn samt einem Geheimdienstmann, um das Ganze wieder ins Lot zu bringen.

Es ein ausgehöhlter Staat, von dem Mike Nicol hier erzählt. Der Präsident agiert abgehoben von der südafrikanischen Realität, ist vor allem damit beschäftigt, seinen Reichtum zu mehren und alles zusammen zu halten. Dafür nutzt er staatliche Organe, in diesem Fall mit Kaiser Vula einen moralisch extrem flexiblen Geheimdienstmann. Der neu formierte Dienst indes ist mit scheinbar gegensätzlichen Zielrichtungen unterwegs. Und mit dem Präsidentensohn ist auch die Organisierte Kriminalität mit von der Partie. Aus dieser schwierigen Gemengelage unterschiedlicher Interessenlagen, die da für Spannung im staatlichen, wie gesellschaftlichen Getriebe Südafrikas sorgen, schnürt der in Kapstadt lebende Autor und Journalist Mike Nicol eine komprimierte, herrlich überspitzte und dabei mit eleganter Lakonie zupackend erzählte Geschichte. Klasse.

Mike Nicol. Korrupt (Original: Agents of the State, Kapstadt, 2016). Übers.: Mechthild Barth. Btb, 509 Seiten, 10 Euro. 

(c) Frank Rumpel

Erschienen bei www.culturmag.de

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