Quentin Mouron: Drei Tropfen Blut und eine Wolke Kokain

Ein paar Tage in einer Bostoner Vorstadt. In einem Armenviertel liegt ein alter Kauz ermordet und verstümmelt in seinem Pick-up. Die Tochter des Opfers bezichtigt ihren eigenen Freund, einen Drogendealer, des Mordes. Ihn nimmt die Polizei zwar fest, ist von dessen Schuld aber nicht so ganz überzeugt. Die Ermittlungen treten auf der Stelle. Eine Spur führt zu einem stadtbekannten Mafioso. Ein Motiv für einen Mord indes fehlt. Die Untersuchungen leitet Sheriff Paul McCarthy, ein gottesfürchtiger Polizist, der am Stadtrand mit seiner Familie ein geordnetes Leben führt und seine Lieben um jeden Preis von der Unbill des Lebens, die er bei seinem Job zuhauf zu sehen bekommt, fernhalten will. Derweil ist der New Yorker Privatdetektiv Franck in der Stadt, ein zynischer Zeitgenosse, der ohne Kokain nicht in die Gänge kommt und seinerseits ein paar Ermittlungen anstellt, ein paar Fäden zieht, einen Musiker ermordet und schließlich McCarthy auf die Pelle rückt.

Das ist konzentriert und glänzend geschrieben, eine schillernde Geschichte über Zufall und Willkür und darum, wie das Überschreiten von Grenzen den Blick auf die Welt verändert. Für den gläubigen Sheriff gerät während der Ermittlungen einiges aus dem Lot. Was, wenn es für die Tat kein Motiv gab, wenn da einfach einer ziellos mordend durch die Gegend zieht? Dann hätten sie kaum eine Chance, ihn zu schnappen und es würde zudem die größere Ordnung, die er so sehr schätzt, ins Wanken bringen. Sein Gegenspieler Franck steht derweil für das Chaos. Er kann es sich dank einer gut gehenden Detektei leisten, sich treiben zu lassen, Verwirrung zu stiften und ganz nebenbei einen arroganten Kriminalschriftsteller namens James Ellsor in die Schranken zu weisen.

Der 1989 in Lausanne geborene, in Kanada aufgewachsene und nun wieder in der Schweiz lebende Quentin Mouron treibt diese Geschichte, die schlüssiger und zupackender erzählt ist, als der Vorgänger „Notre-Dame-de-la-Mercy“, mit dunklem Witz voran, macht daraus einen intelligenten und ziemlich fiesen Kriminalroman, in dem die Auflösung des Falles übrigens nur eine marginale Rolle spielt.

Quentin Mouron: Drei Tropfen Blut und eine Wolke Kokain. Roman, Zürich, 2017. (Original: Trois gouttes de sang et un nuage de coke. Paris, 2012). Aus dem Französischen von Barbara Heber-Schärer und Andrea Stephani. Bilger-Verlag, 240 Seiten, 24,80 Euro.

(c) Frank Rumpel

Erschienen bei crimemag.

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