Uta-Maria Heim: Toskanische Beichte

Auch wenn der Titel nach seichter Sommerunterhaltung klingt, der sich ohne viel Aufhebens einreiht in die Menge höchstens mäßiger Urlaubskrimis, die da von Hiesigen geschrieben an von Hiesigen geschätzten Ferienorten spielen: Uta-Maria Heims „Toskanische Beichte“ ist im Ansatz auch das, darüber hinaus aber ein herrlich abgedrehter Kriminalroman.

Da wird dem katholischen Pfarrer Justus Fischer im Beichtstuhl ein Handy zugespielt, das ihn erst zu einem Gerichtspsychiater und dann weiter in die Toskana führt. Fischer soll für eine geheime vatikanische Organisation rekrutiert werden, die dem zurückgetretenen Papst Benedikt gerne ein Wunder (gute Voraussetzung fürs Seligsprechungsverfahren) attestieren würde. Fischer indes ahnt nichts, fürchtet viel mehr seine Exkommunizierung. Er macht sich dennoch auf den Weg, verbringt einige Tage zusammen mit seinen greisen Großeltern und seiner behinderten Schwester Sarah auf einem toskanischen Campingplatz. Und dort stellt sich heraus, dass Fischers Großeltern einst Mitglied einer papstkritischen Kirche von unten waren. Und die scheint sich inzwischen zu einer kirchlichen Untergrundorganisation gemausert zu haben, die Selig- und Heiligsprechungsverfahren verhindern will und dabei auch zu robusten Methoden greift. Derweil ist die Vatikanbank in der Krise, die Kirche schwächelt, da wäre ein Wunder durchaus hilfreich. „Nachforschungen wurden angestellt, Gremien gebildet. Halbwissen paarte sich mit wissenschaftlichem Dilettantismus“, heißt es da. Und dann dräut über allem noch Fischers Trauma. In Kindertagen war beim Spielen eine seiner Schwestern spurlos verschwunden.

All das hat Uta-Maria Heim zu einer flirrenden, ziemlich unübersichtlichen Geschichte zusammengeschnürt, in der auch noch eine junge Autorin mit einem Enthüllungsroman über die Kirche und gefakte NSA-Abhörprotokolle geheimster Geheimabteilungen des Vatikans eine Rolle spielen. Dazu gibt’s bestens getroffene Alltagsszenen zwischen Bodensee und toskanischem Campingplatz. Heim flicht reale Versatzstücke, Verschwörungstheorien und wilde Ideen zusammen, spitzt gnadenlos zu, bis das Ganze so vollkommen hanebüchen ist, dass es prima funktioniert, was auch daran liegt, dass Heim einfach virtuos zu erzählen und scharfsinnig auszuteilen weiß. Sie schafft sich hier mal wieder reichlich Gelegenheit, quer zu allen Erwartungshaltungen zu schreiben und auf dem Weg dem Wahnwitz des Alltags eine Nische in guter Gesellschaft zu schaffen. Ein großer Spaß und damit nicht zuletzt auch ganz wunderbare Urlaubslektüre.

Uta-Maria Heim: Toskanische Beichte. Gmeiner-Verlag, 340 Seiten, 15 Euro.

(c) Frank Rumpel

Veröffentlicht bei www.culturmag.de

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Krimikritik veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.