Rainer Wittkamp: Hyänengesang

Ausgefallene Figurenkonstellationen sind Rainer Wittkamps Spezialität. In „Hyänengesang“, dem fünften Roman um seinen LKA-Kommissar Martin Nettelbeck sind das unter anderem ein abgehalfterter Schlagersänger, der zurück auf die Erfolgsspur will, ein verschlagen lächelnder Wurstfabrikant, ein authistischer Investor und ein geldgeiles diplomatisches Korps aus dem Oman. Und die führt er in einer rasanten Geschichte zusammen.

Im Zimmer eines Luxushotels wird eine tote Prostituierte gefunden. Die Spur führt zur osmanischen Botschaft und dort zum Militärataché. Doch wegen dessen diplomatischen Status sind der Polizei die Hände gebunden. Die Ermittlungen verlaufen im Sand, was Rainer Wittkamps Serienkommissar nicht ungelegen kommt, wollte er doch eigentlich mit seiner ghanaischen Frau und den Kindern Urlaub in Ghana machen. Doch seinen Flug muss er noch einmal verschieben, als ein Geschäftsmann vor der Botschaft ermordet wird. Dahinter steckt, das lässt sich in einem zweiten Erzählstrang verfolgen, ein Schlagersänger, der sich an seinem früheren Manager rächen will, während er mit einer Ode an die Currywurst an seinem Comeback feilt.

Es gibt etliche weitere erzählerische Verästelungen, Vertiefungen und Verwicklungen, die der Drehbuchschreiber Wittkamp hier versiert zusammen zwirbelt. Die Geschichte büßt mit der Zeit zwar etwas von ihrer anfänglichen Wendigkeit ein, wird ziemlich absehbar, allerdings hat Wittkamp genügend wilden Humor und böse Ideen, dazu ein Händchen für griffige Szenen und maliziös gezeichnete Figuren, um aus „Hyänengesang“ einen immer noch sehr unterhaltsamen Kriminalroman zu machen.

Rainer Wittkamp: Hyänengesang. Roman. Dortmund, 2017. Grafit-Verlag, 223 Seiten. 11 Euro.

(c) Frank Rumpel

erschienen bei http://www.culturmag.de

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