Rosamund Lupton: Lautlose Nacht

 

9783423261210Ziemlich schattig geht es in Rosamund Luptons Roman „Lautlose Nacht“ zu, der im winterlichen Alaska nördlich des Polarkreises spielt. Kein Tageslicht und eisige minus 20 Grad gibt es da, doch fällt die Temperatur während eines Sturms gar auf 55 Grad unter Null. Das sind die garstigen Bedingungen, mit denen die Protagonistinnen Yasmin und ihre stumme, zehnjährige Tochter Ruby klarkommen müssen, während sie auf der Suche nach Yasmins Mann und Rubys Vater versuchen, von Fairbanks in eine abgelegene Siedlung im Norden zu gelangen.

Dieses Dorf wurde bei der Explosion mehrerer Gastanks zerstört. In den Trümmern fand die Polizei 24 Leichen, wobei der Ort nur 23 Bewohner hatte. Der überzählige Tote soll ein britischer Naturfilmer sein. Doch weil Yasmin dem Polizeibericht nicht so recht traut, macht sie sich mit Ruby auf den Weg, um selbst nachzusehen. Ein Lastwagenfahrer nimmt sie mit, doch muss Yasmin auf halber Strecke selbst das Steuer übernehmen und den mit einem Fertighaus beladenen Sattelzug auf einer vereisten Straße nach Norden lenken. Und einen Verfolger hat sie auch.

Die britische Autorin Rosamund Lupton erzählt ihre Geschichte aus zwei Perspektiven, von Yasmin in der dritten Person, Ruby lässt sie selbst zu Wort kommen. Zwei Gedankenwelten, in denen es viel um einen Abwesenden, aber auch um Rubys Blick auf die Welt, die Vielgestaltigkeit von Gebärden und immer wieder um die Lebensbedingungen im nördlichen Alaska geht. Endlose Nacht, einförmige Tundra, Kälte und Stille etwa hat die Autorin vielfältig eingefangen. Und es geht um ein aktuelles Thema: Denn unter dem Dorf, das da im ewigen Eis niedergebrannt ist, lagern riesige Schieferölvorkommen, auf die die vielerorts bereits aktiven Frackingunternehmen scharf sind. Das ist intelligent gemacht und spannend zu lesen. Manch dramaturgischer Kniff allerdings wirkt arg geschraubt und durch die überpräsente Beziehungsgeschichte ist das Ganze dann doch etwas zu nett, zu glatt, zu freundlich geraten.

Rosamund Lupton: Lautlose Nacht (Original: The Quality of silence. London, 2015). Roman. Aus dem Englischen von Christine Blum. München, 2016. 379 Seiten, 14,90 Euro.

(c) Frank Rumpel

Erschienen bei www.culturmag.de

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Krimikritik veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.