Quentin Mouron: Notre-Dame-de-la-Merci

quentin-mouron-notre-dame-de-la-merci_smallNotre-Dame-de-la-Merci heißt das abgeschiedene kanadische Dorf in den Wäldern Québecs, in dem der heute 27-jährige, im schweizerischen Lausanne geborene Quentin Mouron seine Kindheit verbrachte und dem er in seinem zweiten Roman ein nicht eben schmeichelhaftes Denkmal setzte. Es schneit und das Dorf mit seinen weit verstreuten Häusern ist bei ihm ein trostloser Ort. „Ehrlich gesagt, hier gibt es nichts, das als Kulisse für ein Verbrechen dienen könnte. Es ist ein Rentnerdorf“, lässt er seinen, sich immer wieder kommentierend einmischenden Ich-Erzähler gleich zu Beginn konstatieren, als die Leiche eines alten Mannes gefunden wird, der sich in seinem Wohnzimmer erhängte.

Einen langen Tag folgt der Erzähler drei Dorfbewohnern. Da ist der geistig etwas zurück gebliebene Daniel, der ganz für sich im Stillen die Koksdealerin Odette liebt. Nur um ihr nahe zu sein, wird er zum Drogenkurier, liefert die kleinen Tütchen im Ort aus. Die schöne Odette hingegen hat keinen Blick für Daniel. Sie fühlt sich zu Jean hingezogen, dessen Vater sich eben erhängte. Jean nahm der Leiche vorsorglich die goldene Uhr und das Bargeld ab, um nicht mit seinen Geschwistern teilen zu müssen. Er ist ein koksender Ignorant mit autistischen Zügen, der gern ein Gangster wäre und von einem besseren Leben in Mexiko träumt.

Keine guten Voraussetzungen also für ein gedeihliches Miteinander. Hier spricht keiner Klartext, alles brodelt vor sich hin. Und so treibt Mouron sein bizarres Figurenensemble auf einen Punkt zu, an dem ein Verbrechen aus Verzweiflung immer wahrscheinlicher wird. Mouron arbeitet mit Andeutungen, skizziert, tupft in präziser Prosa und schafft damit eine reichlich frostige Atmosphäre, die gelegentlich allerdings etwas sprödes, kammerspielartiges hat. Mouron lässt manches holzschnitthaft stehen und vertieft anderes in einem einzigen Satz. Es ist eine kleine, düstere Welt voll eingeschneiter Träume, Verbitterung und Sprachlosigkeit, auf die er da blickt und zu einem Kondensat in Sachen Tristesse macht. Nur gelegentlich ist da ein mattes Leuchten.

Quentin Mouron: Notre-Dame-de-la-Merci. Roman, Zürich, 2016. (Original: Notre-Dame-de-la-Merci, La Chaux-de-Fonds, 2012). Aus dem Französischen von Holger Fock und Sabine Müller. Bilger-Verlag, 104 Seiten, 18 Euro.

(c) Frank Rumpel

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