Newton Thornburg: Schwarze Herde

schwarze_herde_300Bob Blanchard ist eigentlich Werbetexter, doch schmiss er alles hin und zog mit seiner Familie aufs Land. In den Ozarks ist er, wie der Autor Newton Thornburg in den 1970ern selbst, vorübergehend zum Rinderzüchter geworden. Doch Blanchards Frau fühlt sich nicht wohl auf dem Land, ihr gemeinsamer Sohn leidet an einer chronischen Krankheit. Als die Familie in Zahlungsschwierigkeiten gerät, verlässt sie ihn und kehrt zurück nach St Louis. Für Blanchard brechen damit einige Gewissheiten gleichzeitig weg. Als ein Veterinär bei seiner Black Angus-Herde auch noch einen Brucellose-Befall feststellt – was die Zwangsschlachtung und den Abverkauf zu Niedrigstpreisen zur Folge hat -, wird es richtig eng. Auch diese Erfahrung hat Thornburg, wie er in einem Interview sagte, selbst gemacht. Ein ehemaliger Arbeitskollege, der bei Blanchard untergeschlüpft ist, schlägt ihm vor, doch die eigene Herde zu klauen und sich über die Versicherung zu sanieren. Sein Kumpel holt einen Kleinganoven mit ins Boot und weil Blanchard beiden nicht traut, stellt er ihnen seine Geliebte zur Seite, mit der er sich seit einigen Monaten trifft. Die allerdings will noch was aus ihrem Leben machen und Blanchard liefert ihr, ohne es auch nur zu ahnen, die Chance dazu.

Für den Protagonisten kommt wirklich alles zusammen, fällt der Traum von einem einfachen Leben auf dem Land innerhalb weniger Tage auseinander. Davon erzählt der 2011 verstorbene Newton Thornburg mit großer Präzision und Ruhe. Während Blanchard allmählich einsehen muss, dass seine Zurück-aufs-Land-Idee an der Realität zerbrechen und ihn am Ende wohl ruinieren wird, ist er zu allem Überfluss auch noch von Menschen umgeben, die sich selbst am nächsten sind und eine Chance ergreifen, wenn sie sich ihnen bietet. Klasse, wie Thornburg da kenntnisreich, mit fein gezeichneten Charakteren auf kleinstem Raum ein dichtes Drama entfaltet. Und klasse auch, dass der Polar-Verlag nach dem großartigen „Cutter und Bone“ mit einem weiteren Roman dafür sorgt, Newton Thornburg hierzulande vor dem Vergessen zu retten.

Newton Thornburg: Schwarze Herde. Roman. (Original: Black Angus. New York, 1978). Aus dem Englischen von Susanna Mende. Polar-Verlag, 288 Seiten, 14,90 Euro.

(c) Frank Rumpel

Erschienen bei www.culturmag.de

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