Christine Lehmann: Allesfresser

1211_Lehmann_Allesfresser_Umschlag_1-Aufl.inddIn ihrem zwölften Kriminalroman knöpft sich die Autorin Christine Lehmann, die seit 2014 auch Grünen-Stadträtin in Stuttgart ist, die Veganerszene vor, insbesondere deren Ränder, wo aus Ideen schnell mal Ideologien werden und der Weg zu engstirniger Sektiererei und Radikalisierung häufig nicht weit ist. Freilich ist das bei Lehmann gnadenlos überzeichnet, aber die ganz reale Basis, von der aus sie da konsequent weiter gedacht hat, ist gut zu erkennen.

Die Staatsanwaltschaft wird auf einen Blog aufmerksam, in dem eine Veganerin darüber fantasiert, dass Menschen die Grausamkeit industrieller Fleischproduktion wohl erst dann begreifen, wenn es so etwas wie ein Menschenschlachthaus geben würde. Im Blog wird ein bekannter Fernsehkoch erwähnt. Der ist verschwunden und die Polizei geht davon aus, dass da durchaus ein Zusammenhang bestehen könnte. Tatsächlich wird es dann unappetitlich: Seine übel zugerichtete Leiche wird gefunden und es besteht der Verdacht, dass sein Fleisch fachmännisch verpackt und etikettiert in Supermärkte geschmuggelt wurde. Lehmanns Protagonistin Lisa Nerz mischt sich unter die Hardcore-Veganer, um den Urheber des Blogs zu ermitteln. Doch die Szene ist misstrauisch.

Lehmanns Protagonistin und Ich-Erzählerin geht die Sache gewohnt hemdsärmlig an, ohne dabei die philosophischen Diskussionen über Tierwohl und Ernährung zu umschiffen. Sie ist scharfzüngig, streitlustig und hat eine Allergie gegen alles, was nach Konvention riecht. Auch diese waghalsige Geschichte hat Lehmann mit handfestem Humor grundiert, sie ist frisch, ruppig, gelegentlich schrill, stets vielschichtig. Unter Veganern wird sie sich damit wohl keine Freunde machen.

Christine Lehmann: Allesfresser. Argument-Verlag, Hamburg 2016. 254 Seiten, 12 Euro.

(c) Frank Rumpel

erschienen bei www.culturmag.de

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