Uta-Maria Heim: Heimstadt muss sterben

KLM_161B_LAY_Heim.inddFurios ist Uta-Maria Heims neuer Roman, der da in Tübingen und im fiktiven Heimstadt am Neckar nahe Rottweil angesiedelt ist, wo die Waffenschmiede Maurer & Beck sitzt. Wer da an Heckler & Koch aus Oberndorf denkt liegt richtig, zumal auch in Heims Roman illegale Waffenlieferungen nach Mexiko eine Rolle spielen. Außerdem geht es (unter anderem und oft eher nebenbei) um die Verbandelung einer Region mit einem finanziell potenten Unternehmen, die Überwachung durch die Geheimdienste, ein Leben ohne Internet, die Regionalkrimiauswüchse und nicht zuletzt die Frage, was Heimat sein könnte, was Identität und was denn Literatur da ausrichten kann.

Im Zentrum steht der Verleger Graf, den das schlechte Gewissen plagt, weil er seit Jahren seine Kompagnons, vor allem aber das Finanzamt hintergeht, indem er fast sein gesamtes Verlagsprogramm samt Autoren erfindet. Und dieser Graf bekommt einen Speicherstick zugespielt, der von einem verschiedenen Maurer & Beck-Geschäftsführer stammen soll. Darauf findet sich ein geschwätziger Regionalkrimi, der nicht von der Stelle kommt und den Graf veröffentlichen soll. Aus dem einen Stick werden bald drei. Einer enthält Daten über die Geschäftsbeziehungen der Waffenschmiede, ein weiterer einen Computervirus. Und mitten drin ist ein Klüngel aus älteren Honoratioren, die meinen, den Lauf der Dinge aufhalten oder zumindest in ihrem Sinne gestalten zu können.

Eine wilde Geschichte also, die sich da entwickelt, eine Geschichte, die so wendig wie weitschweifig erzählt und bis in die hintersten Verästelungen spitz formuliert ist. Ein durch und durch skeptischer, beherzt schräger, tief in die schwäbische Seele blickender Heimatroman ist es, sprachlich klar verortet, komplex und verspielt gleichermaßen, angereichert mit jeder Menge, in Fußnoten gepackten Verweisen, Ergänzungen und Kommentaren und ausgestattet mit einem ziemlich stachligen Humor, der vor gar nichts haltmacht. Großartig.

Uta-Maria Heim: Heimstadt muss sterben. Klöpfer & Meyer. 360 Seiten, 22 Euro.

(c) Frank Rumpel

erschienen bei www.culturmag.de

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