Daniel Woodrell: Tomatenrot

chop-Woodrell-Tomatenrot-173x260Die Geschichte geht nicht gut aus, aber damit muss sowieso rechnen, wer einen Roman von Daniel Woodrell zur Hand nimmt. Mit „Tomatenrot“ hat der Liebeskind-Verlag einen älteren Country Noir in neuer Übersetzung heraus gebracht, der im Original 1998 und hierzulande erstmals 2001 bei Rowohlt erschien.

Woodrell widmet sich in dieser schlanken Erzählung wieder mal der weißen Unterschicht im ländlichen Missouri, erzählt auf knappem Raum von ganz unterschiedlichen Strategien, mit gesellschaftlicher Ausgrenzung umzugehen. „Ich schämte mich für das schlecht ausgestattete Leben, in das ich hineingeboren war“, sagt da Woodrells Ich-Erzähler Sammy Barlach, ohne dass er willens wäre, daran etwas zu ändern. Er ist latent aggressiv, weiß aber nicht so recht, wohin mit seiner Energie. Beim Einbruch in eine Villa trifft er auf zwei Gleichgesinnte, bei denen er Anschluss findet. Die verbitterte Jamalee mit ihren tomatenroten Haaren will raus aus dem Armutssumpf, hat aber keinen Schimmer, wie sie das anstellen soll. Einstweilen erträgt sie die Tage mit ein paar Pillen. Ihr jüngerer Bruder Jason jobbt in einem Friseursalon und kommt bei den betuchten Damen gut an. Derweil beginnt Sammy eine Liaison mit Bev, der lebenslustigen Mutter der beiden Geschwister. Als Jason ermordet wird, merken die Drei, dass sie auch seitens des Gesetzes keine Hilfe erwarten dürfen.

Woodrell nimmt seine Figuren ernst und zeigt hier eine illustre Gruppe Underdogs, die keinen Fuß auf den Boden bekommt, schon dadurch abgestempelt ist, dass sie in Venus Holler wohnt. Das „war die zwielichtigste Gegend der Stadt“, meint der Ich-Erzähler. „Ich fühlte mich sofort heimisch.“ Solche Sätze machen klar, dass die Happyends schon aus waren, als Woodrell sich an diese Geschichte setzte, die düster und tragisch ist, aber unglaublich geschmeidig dahin rollt.

Daniel Woodrell: Tomatenrot. Aus dem Englischen von Peter Torberg. Liebeskind Verlag,  222 Seiten, 20 Euro.

(c) Frank Rumpel

erschienen bei www.culturmag.de

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