Oliver Bottini: Im weißen Kreis

9783832188788_frontcover.jpg.23724Fünf Jahre Pause hatte Oliver Bottinis eigenwillige Freiburger Kommissarin Louise Boní, die er nun zum sechsten Mal losschickt. Sie ist eine seit drei Jahren trockene Alkoholikerin, eine, die sich in den Fällen festbeißt, sich nichts sagen lässt. Damit ist sie genau die richtige Besetzung, geht es doch um ein bundesweites Neonazi-Netzwerk, das einen Anschlag plant. Ziel ist ein Mann aus Ruanda, der in Freiburg den 1907 von den damals deutschen Besatzern gestohlenen Schädel eines Ahnen zurückholen will. Doch die Ermittler werden alsbald vom Innenministerium zurückgepfiffen.

Bottini, der voriges Jahr für seinen Roman „Ein paar Tage Licht“ (in dem es unter anderem um deutsche Waffendeals geht) den Deutschen und den Stuttgarter Krimipreis bekam, bleibt aktuell, realitätsnah und politisch. Seine spannende Geschichte erzählt er entlang etlicher realer Ereignisse um den NSU. Den Mord an der Polizistin Michele Kiesewetter und deren angebliche Verbindungen zum Ku Klux Clan verarbeitete er ebenso, wie die im Wohnmobil umher reisenden, national gesinnten Killer oder die dubiose Rolle des Verfassungsschutzes im Dickicht rechter Netzwerke, die in Bottinis Roman weit verzweigt und tief in die Gesellschaft eingesickert sind. Das wäre schon reichlich Stoff und doch packt Bottini mit den deutschen Verbrechen der Kolonialzeit und dem ruandischen Völkermord 1994 noch einiges drauf. Das ist dann doch etwas viel auf einmal.

Oliver Bottini: Im weißen Kreis. Dumont, 301 Seiten, 14,99 Euro.

(c) Frank Rumpel

Erschienen bei www.culturmag.de

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