Deon Meyer: Icarus

330000xxx_Burnett_Lord_FIN.inddWein spielt eine gewichtige Rolle im neuen Roman des südafrikanischen Thrillerautors Deon Meyer. Doch das große Thema ist Betrug. Da geht es einmal um einen an reale Ereignisse angelehnten Coup um gefälschte Edeltropfen, vor allem aber um eine Internetfirma namens Alibi, die untreuen Eheleuten für ihre Seitensprünge wasserdichte Alibis verkauft, also gute Geschichten inklusive gefälschter Beweise. Kurz vor Weihnachten wird die in den Dünen verscharrte Leiche von Ernst Richter, dem Alibi-Chef gefunden. Feinde hatte er reichlich. Entsprechend schwierig gestalten sich die Ermittlungen für Meyers Serien-Protagonisten Benny Griessel und seinen schwarzen Sidekick Vaughn Cupido, wobei Meyer diesmal Cupido in den Vordergrund spielt, während Griessel vor allem mit sich selbst zu tun hat. Der seit 604 Tagen trockene Alkoholiker wird rückfällig und ringt erneut mit seiner Sucht.

Bald wird klar, dass Ernst Richters Firma völlig unrentabel arbeitete, immer wieder kurz vor der Pleite stand, während er selbst einen exklusiven Lebensstil pflegte und wohl deshalb immer wieder betuchte Kunden der eigenen Firma anonym erpresste. Noch während der Ermittlungen beginnt ein Unbekannter, nach und nach die Kundennamen von Alibi zu veröffentlichen, darunter Politiker, Schauspieler, Industrielle. Der Druck auf die Ermittler nimmt zu. Und während sie vagen Spuren folgen, nähert sich Meyer in einem zweiten Erzählstrang, der allmählich auf den ersten zuläuft, der Lösung des Rätsels. Ein junger Winzer aus Stellenbosch versucht einer Anwältin weitschweifig zu erklären, was er mit dem Verschwinden von Ernst Richter zu tun haben könnte.

Deon Meyer erzählt das alles geradlinig und schnörkellos, liefert einen intelligent gebauten Whodunit, einen Polizeiroman, den er mit einer Menge kleinerer Geschichten aufpolstert und das alles souverän mit reichlich Subplots, falschen Fährten und Situationskomik versetzt. Das ist gut gemacht, wirkt am Ende aber doch etwas zu gesetzt, auch zu routiniert für den internationalen Markt geschrieben, als dass die Geschichte, bei der die großen politischen und gesellschaftlichen Implikationen nur am Rand eine Rolle spielen, wirklich überraschen könnte. Auch wenn es mit den Vergleichen immer so eine Sache ist, aber die ästhetisch wie thematisch deutlich aufregenderen Romane aus Südafrika liefern derzeit andere, allen voran Meyers Kollege Mike Nicol.

Deon Meyer: Icarus. Aus dem Afrikaans von Stefanie Schäfer. (Original: Ikarus, Cape Town 2015), Roman. Berlin, Ruetten & Loening, 429 Seiten, 19,99 Euro.

(c) Frank Rumpel

Erschienen bei www.culturmag.de

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