Manfred Wieninger: Der Mann mit dem goldenen Revolver

7805.JPG.thumb-243x243-keepratioNein, ein James Bond ist Manfred Wieningers schwergewichtiger Protagonist Marek Miert ganz gewiss nicht, auch wenn sein Gegenspieler wie seinerzeit in Ian Flemings Roman und später in der Verfilmung mit Roger Moore einen goldenen Revolver hat. Da hört die Ähnlichkeit dann schon auf.

Der Harlander Diskontdetektiv Marek Miert soll für einen Geschäftsmann eine Hütte bewachen, die dieser von seinem Großvater geerbt hat. Der Job sieht einfach aus, ist gut bezahlt, und das ist beim dauernd abgebrannten Miert nicht das schlechteste Argument. Vor Ort wird er von einem stadtbekannten Ganoven mit protzigem, also goldenem Revolver überfallen. Er findet alsbald heraus, dass der verstorbene Großvater seines Auftraggebers in den 1970ern zahlreiche Banken ausgeraubt hat. Sein größter Coup war der Überfall auf einen Geldtransporter, bei dem er knapp 30 Kilo Golddukaten erbeutete, die nie gefunden wurden. Und nun sucht mancher das Gelände ab, in der Hoffnung den Schatz zu heben. Auch Miert, der am besten nachdenken kann, wenn er im Hinterhof Pferdeleberkäs grillt, gräbt sich in die Geschichte – und verliert sich etwas darin.

Zwei Drittel lang funktioniert dieser siebte Marek-Miert-Roman ganz gut. Er fließt gewohnt behäbig, betont unstraff dahin, und es ist amüsant, diesem Miert dabei zuzusehen, wie er sich durch die Tage kämpft. Das ist vom wortgewandten Manfred Wieninger trocken und oft pointiert erzählt, immer wieder fein beobachtet. „Mein Besucher war dünn, wie der Wahrheitsgehalt eines Politiker-Versprechens“, heißt es da. Und der da bei ihm sitzt, baut von Berufs wegen aufgelassene Gefängnisse zu Seniorenresidenzen um. Das ist, wie man es von Wieninger kennt, herrlich auf den Putz gehauen, aber der St. Pöltener Autor kann’s auch etwas leiser. Die Gegend, in der sein Diskontdetektiv wohnt, ist „wie ein großes, zorniges Gedicht, zornig auf die Welt, zornig auf sich selbst. Die Psychose wohnte hier, aber auch der gewöhnliche Jammer, der Wahn, das Delirium, das Pech und die Depression. Selbst wer hier jung war, war nicht wirklich jung.“

Unter Niveau, das war bei Wieninger schon immer so, wird auch im neuen Roman niemand unterhalten. Und dennoch plätschert die Geschichte irgendwann aus, droht sich mit dem Protagonisten zwischen Traum und fiktiver Wirklichkeit zu verlieren, wirkt zunehmend unentschlossen, als wäre Wieninger mit seiner Figur Marek Miert an einen Punkt gekommen, an dem er etwas wehmütig auf den Furor früher Tage blickt.

Manfred Wieninger: Der Mann mit dem goldenen Revolver. Ein Hinterhof-Krimi mit Marek Miert. Roman. Wien: Haymon-Verlag 2015. 211 Seiten, 12.95 Euro.

(c) Frank Rumpel

erschienen bei www.crimemag.de

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