Sifiso Mzobe: Young Blood

01215423f2Ein BMW 325is ist für die Jungs in Umlazi, einem Township außerhalb Durbans, das Größte. Ein sportlicher, gut ausbalancierter Wagen mit reichlich PS und Aufmerksamkeitsgarantie. Wer dort einen solchen Wagen fährt, hat es geschafft – auf welchem Weg auch immer.

Kurz vor seinem 17. Geburtstag hat Sifizo Mzobes Protagonist Sipho die Schnauze voll. Er hat beschlossen, seine Zeit nicht länger auf der Schule zu vergeuden. Stattdessen will er, was sein Kumpel Musa aus alten Tagen längst hat, seit er ein Jahr in Johannesburg war: er fährt besagten BMW, hängt auf Parties rum, hat ständig attraktive, weibliche Begleitung, stets Drogen parat, scheinbar Geld im Überfluss. Offiziell war Musa in Jo-burg arbeiten, tatsächlich saß er im Knast, lernte, was er noch nicht wusste und knüpfte Kontakte. Zusammen ziehen sie eine Zeit lang auf Parties umher. Sipho genießt das schnelle Leben und macht sich einen Namen, weil er ein guter Autoschrauber, vor allem aber ein exzellenter Fahrer ist, der sich lebendig fühlt, wenn er in einem schnellen Auto sitzt und zudem jene Protztechniken beherrscht, die in der Szene gefragt sind.

Schließlich bietet sich ihm die Chance, ans große Geld zu kommen. Zusammen mit einem Kumpel soll er anhand einer Liste teure Autos klauen. Das Ganze nimmt schnell Fahrt auf, es kommt zu Rivalitäten mit einer anderen Gang, zu Loyalitätskonflikten, zu den ersten Toten und damit zu dem Punkt, an dem Sipho nochmals scharf über seine Zukunft nachdenkt.

Der Autor Sifiso Mzobe erzählt in seinem, am Kap gleich mehrfach ausgezeichneten Debüt, von einer rasanten Fahrt ins Abseits. Dabei stammt sein 17-jähriger Ich-Erzähler keineswegs aus zerrütteten Verhältnissen. Er kommt aus der unteren Mittelschicht. Der Vater betreibt eine kleine Autowerkstatt, die Mutter jobbt in einer Klinik und kümmert sich um die Familie. Mzobes Protagonist muss sich zwischen einer unglamourösen, bürgerlichen Existenz im Township und dem schnellen Geld entscheiden, das viele Probleme löst und andere schafft, zumal er bald sieht, dass im Umfeld der organisierten Kriminalität gelegentlich wenig Zeit bleibt, es zu genießen.

Mzobe schreibt (auch in der gelungenen Übersetzung) sehr dynamisch, temporeich und ohne Firlefanz, erzählt davon, wie klein, leicht und verlockend der Schritt in die Illegalität sein kann und wie rasch die Mechanismen und Zwänge in Gang kommen, die einem den Weg zurück verwehren, wie schnell beide Welten auseinander driften, obwohl sie doch so eng nebeneinander existieren. Nebenbei zeichnet er ein lebhaftes Bild des Township-Alltags und seiner Bewohner. Er weiß, von was er spricht, ist er doch selbst im Township Umlazi aufgewachsen, lebt noch immer dort, kennt die Karrieren und Geschichten von Freunden und Nachbarn. Deshalb, erzählte er in einem Interview, habe er seinen Roman auch mit einer Moral versehen, dass nämlich mehr Bildungsangebote im Township für manchen Ausweg und Alternative sein könnten. Ohne diese Moral, sagte Mzobe, hätte er die Geschichte nicht erzählen können. Und das wäre durchaus schade gewesen, auch wenn sie nicht brandneu und ziemlich männerlastig ist, diese Geschichte, aber so intensiv und direkt bekommt man das kaum einmal zu lesen.

Sifiso Mzobe: Young Blood. Aus dem südafrikanischen Englisch von Stephanie von Harrach. Peter Hammer Verlag. 272 Seiten, 22 Euro.

(c) Frank Rumpel

erschienen bei www.crimemag.de

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