Nic Pizzolatto: Galveston

met-galveston-finalBekannt wurde der US-amerikanische Autor Nic Pizzolatto durch seine so eigenwillige, wie spektakuläre Fernsehserie „True Detective“. Seine Eintrittskarte ins Fernsehgeschäft aber war sein im Original 2010 erschienenes Romandebüt „Galveston“, benannt nach einer texanischen, auf einer Insel liegenden Kleinstadt, die vom Öl lebt.

„Galveston“ ist ein astreiner Noir, düster, wuchtig, brutal, ohne Aussicht auf ein Happy End. Roy Cody heißt der Protagonist, ein Geldeintreiber und Killer, der in den 1980er Jahren für ein Syndikat in New Orleans arbeitet und der, wie es scheint, mit seinen 40 Jahren bereits am Ende angekommen ist. „Der Arzt hat Bilder von meiner Lunge gemacht. Die sind voller Schneeflocken.“ So beginnt der Roman von einem sterbenden Killer, der außer seinem Leben scheinbar nichts mehr zu verlieren hat.

Doch das will er nicht so einfach hergeben. Als ihn sein Boss aus persönlichen Gründen in einen Hinterhalt lockt, kann Cody entkommen, indem er ein Schlachtfeld hinterlässt. Er nimmt die junge Prostituierte Rocky mit, die in dem Haus, das ihm selbst zur Falle werden sollte, festgehalten wurde, auch weil sie eine Zeugin ist. Immer wieder hadert er mit sich, will die junge Frau irgendwo absetzen, sie aus dem Weg schaffen und allein weiter, aber es will ihm nicht gelingen. Noch komplizierter wird es, als sie ihre vierjährige Schwester zu sich nimmt, die sie aus den Klauen ihres Stiefvaters holt. Zu dritt fliehen sie nach Galveston und Cody fühlt sich mehr und mehr verantwortlich für die beiden Mädchen. Das lässt ihn unvorsichtig werden. Beim Versuch, für die beiden etwas Geld zu besorgen, kommt ihm sein Verfolger auf die Spur.                                                                                    Zwischen diese Geschichte hat Pizzolatto einen zweiten Erzählstrang gezogen, in dem ein 20 Jahre älterer Cody berichtet, was ihm in dieser Zeit widerfahren ist. Offenbar konnten ihm weder Krebs, noch Killer etwas anhaben. Inzwischen hat er sich im unwirtlichen Galveston niedergelassen, versucht, mit den Erinnerungen klar zu kommen.

Es ist die von Anfang an aussichtslose Geschichte eines desillusionierten Killers, der da angesichts des nahen Todes und durch die Anwesenheit eines kleinen Kindes eine Art Läuterung durchmacht. Schließlich war er bis dahin der Meinung, dass jene, die auf seiner Liste standen, die Strafe, die er brachte, schon irgendwie verdient haben mussten. Und plötzlich machte er sich Sorgen um jemanden. Das Alles ist rau, direkt und packend erzählt, melancholisch grundiert und durchsetzt mit fast zärtlichen Situationsbeschreibungen. Zu lachen aber gibt es bei Pizzolatto nichts.

Nic Pizzolatto: Galveston. Aus dem Englischen von Simone Salitter und Gunter Blank. Mit einem Nachwort von Gunter Blank. Metrolit-Verlag, 254 Seiten, 20 Euro. E-Book: 16 Euro.

(c) Frank Rumpel

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Krimikritik veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.