Georg Haderer: Engel und Dämonen

knvmmdb-1.dllSeit 23 Tagen vermisst die Wiener Mordkommission ihren eigenwilligen Chef, den Major Schäfer. Sein Assistent Bergmann übernimmt die Geschäfte, die ziemlich gut gehen: Ein Kroate wird bei einem Hahnenkampf tödlich verletzt. Im Gefängnis stirbt ein Mörder. Eine Frau stürzt im Streit mit ihrem Mann aus dem Fenster und ein IT-Spezialist wird von seinem Kronleuchter erschlagen – während er an einer Bombe bastelt.

Die Ermittlungen führen zu einem „Bündnis zur Optimierung gesellschaftlicher Strukturen“ und in der Folge zu einem esoterischen Geheimbund mit illustren Mitgliedern, der sich nicht weniger als die Apokalypse auf die Fahnen geschrieben hat. Sieht es zunächst so aus, als ob Schäfer undercover gegen die Gruppe ermittelt, zeigt sich allmählich, dass der schwer Depressive wohl eher Teil des Problems ist.

Der 1973 geborene Georg Haderer holt in seinem vierten Kriminalroman um seinen Major Schäfer weit aus. Das Thema ist nicht taufrisch, funktioniert hier aber dennoch einigermaßen, weil Haderer seine Geschichte nicht als Thriller angelegt hat. Tempo spielt fast keine Rolle und auch die Weltrettung glücklicherweise nicht. Haderer ist mehr an seinen Figuren interessiert, will wissen, was sie antreibt, was in ihnen vorgeht. Entsprechend mäandert seine Geschichte, nimmt sich Zeit für genaue Beobachtungen und manche, auch unnötige Schleife. Seine Weitschweifigkeit macht die Lektüre gelegentlich langatmig und ziemlich absehbar. Haderer entschädigt mit teerig-schwarzem Humor.

Georg Haderer: Engel und Dämonen. Haymon-Verlag. 385 Seiten. 19,90 Euro.

(c) Frank Rumpel

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