Wolfgang Kaes: Das Gesetz der Gier

knvmmdb-15.dllEine türkische Kellerfabrik für Designerjeans, ein Kölner Modeunternehmen, das sich vom Schneiderbetrieb zum Vermarkter billigst im Ausland produzierter Ware gewandelt hat und ein globalisierungskritisches Netzwerk, in dessen Kern durchaus der Wille zur Radikalisierung vorhanden ist. Daraus hat der 54-jährige Bonner Journalist (zuletzt machte er mit der Aufklärung eines 16 Jahre zurück liegenden Mordes von sich reden) und Autor Wolgang Kaes einen klasse Kriminalroman über ein ziemlich unhandliches Thema geschrieben: Die Globalisierung.

In Istanbul sterben junge Männer an Staublunge, weil sie mit Sandstrahlern neuen Jeans das Aussehen von alten geben. Ein Istanbuler Lungenarzt, der viele von ihnen behandelt hatte und keinem helfen konnte, entdeckt sein Gewissen, folgt einer Spur und reist schließlich nach Deutschland, um von einem Modeunternehmen Geld für die Familien der Verstorbenen zu erpressen. Derweil setzt sich in diesem Modeunternehmen ein altgedienter Buchhalter vor seinem letzten Arbeitstag mit Geld und sensiblen Firmendokumenten ab und schließt sich einer globalisierungskritischen Gruppe an, die ihre Aktionen übers Internet organisiert. Die setzt das Modeunternehmen öffentlichkeitswirksam unter Druck, weil es den Standort Köln nach Rumänien verlagern will.  Schon bald läuft an allen Enden dieser Geschichte einiges aus dem Ruder.

Wolgang Kaes hat in seinem sechsten Roman die meisten Klischees umschifft, vielleicht manche Figur eine Spur zu eindeutig gezeichnet und am Ende mit einem Idealbild für verantwortliches Wirtschaften etwas zu dick aufgetragen. Unterm Strich aber ist diese fein verästelte Geschichte spannend, wendungsreich und plausibel erzählt, gut geschnitten und zudem so aktuell und kritisch, wie man es sich nur wünschen kann.

Wolfgang Kaes: Das Gesetz der Gier. Bertelsmann-Verlag,  2012. 319 Seiten. 19,90 Euro.

(c) Frank Rumpel

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