Markku Ropponen: Tote Finnen tanzen keinen Tango

knvmmdb-9.dllInkeri und Hytönen sind tot. Ein Virus raffte die beiden Geckos dahin, so dass sich Markku Ropponens gelegentlich einsamer Protagonist Otto Kuhala nun nach neuen Haustieren umsehen muss. Gut, dass ihm ein Hund zuläuft, womit Kuhala dieses Problem deutlich schneller löst als seine Fälle.

Denn in diesem dritten, nun auf Deutsch vorliegenden Kuhala-Roman soll der Privatdetektiv im Auftrag eines betuchten Rechtsanwalts nach dessen verschwundener, zu gelegentlicher Untreue neigender Frau suchen. Im Verdacht hat er seinen Nachbarn, einen ehemaligen Söldner. Und auch von einem Kriminalhauptmeister fehlt jede Spur. Hier ermittelt Kuhala im Auftrag der Ehefrau, die vermutet, ihr Mann sei in illegale Geschäfte verwickelt. Tatsächlich bediente er sich in der Asservatenkammer und war ins Drogengeschäft eingestiegen.

In beiden Fällen ist Kuhala es, der die Leichen der Verschwundenen findet und bei seinen weiteren Nachforschungen unter anderem an eine ungemütliche Rockerbande gerät –

man sah, dass diese Leute an ihrem Klubabend keine Modellflugzeuge bastelten 

– nur knapp einer Bombenexplosion entgeht und sonst ziemlich viel auf den Seen um das südfinnische Städtchen Jyväskylä herum paddelt. Dabei hat er, wie schon in den beiden voraus gegangenen Romanen, nicht wirklich einen Kopf für die Ermittlungen, weil er vor allem schwer verliebt ist.

Der 57-jährige finnische Autor Markku Ropponen, der in den vergangenen zehn Jahren zehn Kuhala-Romane veröffentlichte, ist ein sehr entspannter Erzähler, in diesem Fall vielleicht eine Spur zu entspannt, denn sein Roman plätschert etwas dahin, hat zu wenig Zug und kommt bei weitem nicht an den Vorgängerroman heran, der teilweise im benachbarten, russischen Karelien spielte und wesentlich dichter gestrickt war. Der aktuelle Roman wirkt dagegen wenig zwingend und zudem eine Spur zu routiniert. Aber selbst ein mittelmäßiger Ropponen hat noch immer reichlich hell leuchtende Momente, in denen er sehr genau den mal sureal, mal bitteren Nuancen des Lebens nachspürt.

Kuhala biss ein Stück von seinem Schnittlauchbrot ab. Ein Handtuch hing ihm über die Schulter, der ekelrealistische Stapel geöffneter Rechnungen auf dem Tisch flatterte im Takt seiner Stressatmung. Wie er so dasaß, mit seinen blutunterlaufenen Augen, angeschlagen und leicht erschrocken, erinnerte er an einen Kosmonauten, der mit nur einem Bremsfallschirm in der Steppe aufgeprallt war.

Markku Ropponen, der wie sein Detektiv im südfinnischen Jyväskylä lebt und dort hauptberuflich als Bibliothekar arbeitet, weiß pointiert zu erzählen. Er ist bis zu einem gewissen Grad ein Menschenfreund, hegt Sympathie für seine Figuren und zeichnet sie entsprechend sensibel. Gleichzeitig aber sind seine Sätze durchdrungen von einem ungemein freundlichen Zynismus, gestählt an den Widrigkeiten des Alltags.

Raatikainen war schlanker geworden und wirkte ausgeruht. Ihm fehlten die typischen Augenringe der Eigenheimrenovierer und Großkreditnehmer. Sein Schritt war elastisch.

In Sachen Erzählfreude und Bildreichtum erinnert Markku Ropponen gelegentlich an seinen Stuttgarter Kollegen Heinrich Steinfest, doch ist der Finne ungleich melancholischer. Da mustert etwa einer Kuhala, als hätte der ihm Milzbrand als Gastgeschenk mitgebracht. Ein Mann, der mit einer Satellitenschüssel hantiert, tut dies mit der Haltung eines Goldwäschers und eine Frau, die unwiderruflich überzählige Kilos angesammelt hatte, strahlte jene Angst aus, die ein Mensch empfindet, wenn er begreift, dass er die beste Zeit bereits hinter sich hat.

Ropponens Figuren – darunter etwa ein für seinen Beruf brennenden Vertreter für Tiergrabsteine – sind eigenwillig, verschroben und doch mutet es etwas seltsam an, wenn sein deutscher Verlag ihn nun – Cover und frei erfundener Titel lassen darauf schließen – in die halbgare Komikerecke schiebt. Denn der Blick, den Markku Ropponen auf die finnische Gesellschaft richtet, ist bei aller Liebe zu erfrischend absurden Details und Situationen, stets präzise und stichhaltig. Seine Kriminalromane sind handfest und sein Humor ist nie schrill, sondern staubtrocken und leise.

Markku Ropponen: Tote Finnen tanzen keinen Tango. Deutsch von Stefan Moster.
Piper-Verlag, 352 Seiten, 9,99 Euro.

(c) Frank Rumpel

SWR2

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