Anne Goldmann: Triangel

knvmmdb-24.dllAnne Goldmann bleibt sich auch in ihrem zweiten Roman treu und erzählt eine komplexe Geschichte, in der sich alle Protagonisten mit Vermutungen das Leben schwer machen. Die Vollzugsbeamtin Regina Aigner erfüllt sich den Traum vom Haus im Grünen, zieht zu einer Freundin und erbt das Häuschen, als diese an einem Herzinfarkt stirbt. Bei Bauarbeiten entdeckt sie im Garten ein menschliches Skelett. Aus Angst, die Freundin könnte ihr doch etwas Wichtiges verschwiegen haben, lässt sie die Knochen kurzerhand an anderer Stelle verschwinden und wird fortan von Gewissensbissen geplagt. Gleichzeitig beginnt sie ein Verhältnis mit einem Kollegen. Der allerdings ist krankhaft eifersüchtig und bedrängt sie. Und schließlich setzt ihr noch ein wegen Mordes zu 17 Jahren verurteilter und nun auf Bewährung entlassener Häftling zu, der sich als Neffe der Verstorbenen ausgibt und Regina erpresst, weil er meint, sie habe sich das Haus unrechtmäßig unter den Nagel gerissen.

Goldmann kann hier gleich bei mehreren Themen aus dem Vollen schöpfen. Sie arbeitete einige Jahre selbst in einer Justizanstalt und betreut jetzt Straffällige nach der Haft. Entsprechend präzise und detailreich sind ihre Schilderungen des Gefängnisalltags, die schwierige Situation weiblicher Vollzugsbeamtinnen in einem männlich dominierten Beruf,  aber auch jene des Ex-Häftlings, mit all seinen Zwängen, Ängsten und im Knast erlernten Überlebensstrategien, die draußen nur bedingt taugen.

Spielte ihr erster Roman in einem Wiener Mietshaus, hat sie auch diesmal eine überschaubare Figurenkonstellation gewählt und daraus – noch besser und zwingender, als in ihrem Debüt „Das Leben ist schmutzig“ – eine eng verwobene, beklemmende und lebenskluge Geschichte gemacht, in der keiner der in sich gefangenen Protagonisten zur Wahrheit durchdringt. Da traut keiner dem anderen und sich selbst auch nur bedingt. Die daraus entstehende Spannung aufzubauen und zu halten beherrscht Goldmann prächtig, gerade weil sie als Erzählerin die Ruhe weg hat. Ihr Roman wirkt zunächst etwas behäbig, braucht seine Zeit, um einigermaßen in die Gänge zu kommen. Aber die Autorin sieht nun mal genau hin und geht nah an ihre Figuren heran, die da auf ihrer ungelenken Suche nach Ruhe und Glück, nach einem irgendwie anderen Leben scheitern, weil sie einfach nicht aus ihrer Haut können.

Anne Goldmann: Triangel. Argument-Verlag. 266 Seiten. 11 Euro.

(c) Frank Rumpel

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