Émilie de Turckheim: Im schönen Monat Mai

knvmmdb-32.dllEinen kleinen und ziemlich bösartigen Roman hat die Französin Émilie de Turckheim mit „Im schönen Monat Mai“ geschrieben. Da empfängt der ehemalige Knecht von Monsieur Louis nach dem Selbstmord seines Chefs einige Gäste im Landhaus. Die meisten von ihnen waren vom Gutsbesitzer schon mal dorthin zur Jagd eingeladen worden, darunter ein Bordellbesitzer, ein ehemaliger Offizier, ein pensionierter Polizist und ein etwas schrilles Ehepaar namens Truchon. Sie sollen das Erbe des verstorbenen Monsieur unter sich aufteilen, müssen allerdings noch auf den Notar warten. Derweil stirbt Frau Truchon und liegt eine ganze Weile als Leiche im Wohnzimmer herum, bevor sich so ganz allmählich die Zahl der Gäste weiter dezimiert.

Die 1980 geborene Émilie de Turckheim hat das alles mit leichter Hand aus Sicht des Knechts Aimé geschrieben, der sich gerne etwas dümmer gibt, als er ist. Aber er weiß, etwas, das „Süß-Pence“ heißt, ist wichtig für so eine Erzählung und dazu gehört, nun aus Sicht der Autorin, zunächst das Setting: abgelegenes Landhaus, eine Tote und eine überschaubare Zahl von Gästen, respektive Verdächtigen. Man ahnt es schon: Eine komplett falsche Spur, die die Autorin da legt und mit rabenschwarzem Humor pulverisiert. Geschickt hält sie ihre Geschichte eines Rache-Feldzugs in der Schwebe, enthüllt nach und nach die einzelnen Puzzleteile und packt das alles in einen großartig naiven Ton. Zudem hat die Autorin einen ausgeprägten Sinn für groteske Momente.

Wir schauen alle drei auf Frau Truchon, weil du kannst gar nicht nicht auf eine Leiche schauen, wenn eine auf dem Fußboden liegt“, heißt es da. Oder: „Wie soll man die tödliche Menge Gift in einer Kaffeetasse treffen, wenn man sein ganzes Leben lang barfuß durch den Gemüsegarten geht, damit man kein Insekt vom lieben Gott zertritt.

Ein beschwingter Sommerroman, der eine üble Geschichte so vermeintlich unschuldig erzählt, dass es eine wahre Freude ist.

Émilie de Turckheim: Im schönen Monat Mai. Deutsch von Brigitte Große. Verlag Klaus Wagenbach. 107 Seiten. 9,90 Euro.

(c) Frank Rumpel

http://www.culturmag.de

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Krimikritik veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.