Wolfgang Brenner: Alleingang

knvmmdb-34.dllBrandaktuell ist Wolfgang Brenners Roman über einen deutschen Berufssoldaten, der in Afghanistan stationiert ist und sich mitten im Kriegseinsatz als Problemfall für die Bundeswehr erweist. Er sei zu den Taliban übergelaufen, behauptet die, er habe ein Massaker unter afghanischen Zivilisten angerichtet, ein desertierter Freund.

Aber nicht in Afghanistan, sondern auf Usedom spielt die Geschichte, die der in Berlin und im Hunsrück lebende Autor, Journalist und Filmemacher Wolfgang Brenner da erzählt, und zwar aus Perspektive der daheimgebliebenen Frau Marie und des gemeinsamen Sohnes Felix. Deren Leben gerät aus den Fugen, als ihr ein Hauptmann der Bundeswehr mitteilt, ihr Mann sei bei einem Bombenanschlag in Kundus ums Leben gekommen. Den Leichnam allerdings bekommt sie nie zu Gesicht, und als sie schließlich doch einen Blick in den Sarg wirft, sieht sie, dass nur Sandsäcke beigesetzt werden. Da weiß Marie längst, dass ihr Mann noch am Leben ist. Er hat sie nachts angerufen, gesagt, er werde verfolgt. Gleichzeitig taucht ein Pfarrer bei ihr auf, der behauptet, ein Freund ihres Mannes gewesen zu sein, ein Psychologe der Bundeswehr versucht sie auszuhorchen, in ihrem Telefon findet sie eine Wanze, und sie weiß bald nicht mehr, wem sie noch trauen kann.

Es ist eine knappe, sehr kompakte Geschichte, die Wolfgang Brenner da erzählt, stets dicht an Marie und ihrem Sohn. Spannend ist hier weniger, was denn nun tatsächlich mit ihrem Mann los ist, sondern wie Marie in die Militärmaschinerie gezogen wird und sich innerhalb kurzer Zeit nicht nur mit deren Sicht der Welt, sondern auch mit deren Methoden auseinandersetzen muss. Dabei schildert Brenner die Bundeswehr als eine in ihrem Vorgehen eher linkisch agierende Truppe, die in zivilen Strukturen allenfalls auf Besuch scheint.

Gleichzeitig ist Marie gezwungen, das Verhältnis zu ihrem Mann und dessen Job zu überdenken, schließlich ist der zunächst totgesagt und wieder auferstanden, aber immer noch so weit weg, als gäbe es ihn nicht. Und damit sprudelt auch bisher erfolgreich Verdrängtes an die Oberfläche: Ihr Mann könnte in Kundus Menschen getötet haben und selbst, wenn er zurückkommt, ein anderer sein. Brenner hat einen leisen, subtil erzählten Kriminalroman mit ungewöhnlicher Perspektive und ziemlich bösartigem Plot geschrieben, eine spannende Geschichte über einen Krieg, der eigentlich weit weg sein sollte, es aber partout nicht ist.

Wolfgang Brenner: Alleingang. Gmeiner-Verlag.  270 Seiten. 9,90 Euro.

(c) Frank Rumpel

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