Thomas Raab: Der Metzger bricht das Eis

knvmmdb-37.dllDie Abnutzungserscheinungen einer Serie zeigen sich im aktuellen Roman von Thomas Raabs Metzger-Reihe, in der ein gewichtiger Restaurator Ungereimtheiten in seiner Umgebung nachgeht, den Blick fürs Kleine hat und Dingen gerne auf den Grund geht. Insofern keine schlechte Wahl der Hauptfigur, die da als Hobbydetektiv kein Stück weniger überzeugend ist als das große Heer kriminalliterarisch nebenher ermittelnder Protagonisten. Zumal Raab seinen Willibald Adrian Metzger freilich nicht als alten Haudegen durch die österreichischen Niederungen schickt, sondern als einen, der fast durch bloße Anwesenheit Dinge in Bewegung bringt.

Im aktuellen, fünften Fall wird Metzger Zeuge eines vermeintlichen Unfalls. Eine Frau stürzt vom Dach eines Krankenhauses. Kurz darauf stirbt ein Obdachloser, mit dem sich Metzger tags zuvor noch unterhalten hatte. Die Spur führt in die Berge, wo es bald einen weiteren Toten gibt. Denn dort oben wird mit härtesten Bandagen um ein Skigebiet gekämpft, das dem Ort Geld bringen soll, für das aber längst nicht alle Landwirte bereit sind, ihre Grundstücke zu verpachten.

Die Geschichte ist nicht neu und man ahnt schon zeitig, um was es da geht. Das wäre zunächst nicht weiter schlimm, weil der 1970 geborene Thomas Raab, der sich schon als Musiker einen Namen machte, seine Geschichten in bissig formulierte, häufig gesellschaftskritische Schleifen packt. Doch das Ganze kommt diesmal allzu behäbig und langatmig daher. Zudem wirkt sein Personal festgefahren. Das ist schon immer wieder witzig, wenn Raab da nach allen Seiten austeilt, aber es ist eben häufig auch nicht mehr als das. Erst ab der Hälfte etwa, wenn das Ganze mehr Zug und mehr Thema bekommt, wird Raabs Stil griffiger. Dennoch: Die Erzählung ist zu weitschweifig, der Ton zu selbstverliebt in seine eigenen Schnörkel. Etwas kompakter, etwas mehr auf den Punkt gebracht hätte diese Geschichte gewonnen. Boshaft genug ist Raabs Witz allemal.

Thomas Raab: Der Metzger bricht das Eis.  Piper-Verlag. 351 Seiten. 19,99 Euro.

(c) Frank Rumpel

http://www.culturmag.de

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Krimikritik veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.