Tanja Weber: Sommersaat

Die Provinz als Summe falscher Versprechen zeichnet Tanja Weber in ihrem Debüt und bemüht damit einen Allgemeinplatz, der nicht selten herhalten muss: Vom Land aus betrachtet scheint das Verbrechen stets woanders daheim zu sein. Tanja Weber hat daraus einen leisen, auf weiten Strecken fein austarierten Kriminalroman gemacht, in dem sie dann aber doch manches Klischee zu sehr breit tritt und am Ende etwas zu viel will.

Ruhe und Abgeschiedenheit sucht ihr Protagonist Johannes Stifter und glaubt beides in einem brandenburgischen Weiler nahe Berlin gefunden zu haben. Dort wohnt er in einer Hütte am See, trägt tagsüber die Post aus und schreibt abends an seiner Promotion über Foucault. Als er im Wald eine übel zugerichtete Leiche findet, ist er zunächst der Hauptverdächtige. Denn bei dem Toten handelt es sich um den ehemaligen Lebensgefährten von Annika Strelski, einer völlig überforderten, allein erziehenden Mutter, in die sich Stifter beim Postaustragen verguckt hat. Deshalb stellt er selbst Nachforschungen an und lichtet dabei allmählich einige Kulissen. Es geht um Menschenhandel. Im Dorf wohnen gleichwohl Kunden, wie Leute, die dabei ihren Schnitt machten, oder eben wegschauten. Die eigentlichen Ermittlungen führt ein bayrischer Kommissar, der die sommerliche Hitze nicht verträgt und lieber daheim am Tegernsee ein Weißbier trinken würde.

Die Theaterdramaturgin und Drehbuchautorin Weber hat das alles gekonnt unspektakulär und mit viel Atmosphäre inszeniert. Nur der Plot wirkt  etwas überfrachtet. Weber ist nah an ihren meist sehr genau und einfühlsam gezeichneten Figuren, nimmt sie ernst und lässt ihnen Raum. Immer wieder wechselt sie die Perspektive, öffnet Blicke in verschiedene Milieus und entwickelt so eine spannende Geschichte um eine Mördersuche, in der dann sogar ein neugieriger Briefträger und ein bayrischer Kommissar, beides Gestrandete, ihren Platz finden.

Tanja Weber: Sommersaat. Aufbau-Verlag. 350 Seiten. 16,99 Euro.

(c) Frank Rumpel

http://www.culturmag.de

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