Mechthild Borrmann: Wer das Schweigen bricht.

knvmmdb-17.dllDer Arzt und Industriellensohn Robert Lubisch findet nach dem Tod des Vaters in dessen Nachlass das Bild einer jungen Frau und einen SS-Ausweis mit fremdem Namen. Die Neugierde treibt ihn herauszufinden, wer die Frau war, um so vielleicht den Vater, zu dem er ein distanziertes Verhältnis hatte und dessen Fassade nach außen so perfekt war, im Nachhinein etwas anzukratzen. Bei seinen Nachforschungen hilft ihm die Journalistin Rita Albers, die mit ihren Recherchen eine Geschichte aufwühlt, die in die Kriegsjahre zurück reicht. Sah es zunächst so aus, als sei die Frau, die damals Modell stand, spurlos verschwunden, macht die Journalistin sie dennoch rasch ausfindig. Damit holt sie eine tot geschwiegene Geschichte in die Gegenwart, wofür sie kurz darauf erschlagen wird.

Borrmann erzählt parallel von den Nachforschungen, wie von den Ereignissen in den Kriegsjahren, in denen sich eine Gruppe Jugendfreunde aus den Augen verliert. Die Freunde positionieren sich in der Nazizeit auf verschiedenen Seiten. Intrigen, Neid und Eifersucht besorgen den Rest. Geschickt verwebt Borrmann die Erzählstränge und schafft es, mit dem Fokus auf das feine Beziehungsgespinst in einem Dorf am Niederrhein, sich dem Terror der Kriegsjahre mit glaubhaft und differenziert gezeichneten Figuren auf unterschiedlichen Ebenen zu nähern. Ihre Geschichte ist so gut konstruiert, dass sich hier nach und nach alles so selbstverständlich, wie überraschend ineinander fügt. Schlank und konzentriert hat sie die Geschichte in Szene gesetzt, dabei allerdings noch präziser und eindringlicher formuliert, als bisher. Borrmann beherrscht die vielsagenden Zwischentöne, hat etwas zu erzählen und macht das in diesem Buch so gut, wie noch nie. Dabei waren schon die beiden Vorgängerromane klasse.

Mechtild Borrmann: Wer das Schweigen bricht. Pendragon Verlag. 224 Seiten. 9,95 Euro.

 (c) Frank Rumpel

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