Gerard Donovan: Ein bitterkalter Nachmittag

knvmmdb-79.dllNachdem der Luchterhand-Verlag im vorigen Jahr Gerard Donovan mit seinem klasse Roman „Winter in Maine“ auf dem deutschen Markt einführte, schiebt er nun dessen Debüt nach.

In einem nicht näher bezeichneten Kriegsgebiet haben Soldaten eine Stadt überfallen und treiben Gefangene auf einem Feld zusammen. Es schneit, es ist kalt, einer gräbt ein großes Loch. Der da in der Grube steht, ist der Bäcker. Am Rand der Grube steht der Lehrer. Die Rollen scheinen klar verteilt, derweil die beiden über Kriege, über Gut und Böse und über das Philosophische im Leben diskutieren. Donovans Geschichte ist, obwohl Verlauf und Ausgang klar zu sein scheinen, hoch spannend, weil er nicht Stellung bezieht, keine Moral anbietet und immer wieder Szenen mit halsbrecherischer Komik versieht, die unter solchen Vorzeichen umso bizarrer wirken. Donovan erzählt in starken Bildern von der schmalen Linie, jenseits der ein Mensch aus Eigeninteresse zum Monster wird. Um welchen kriegerischen Konflikt es da geht, spielt keine Rolle.

Gerard Donovan: Ein bitterkalter Nachmittag. Roman. (Original: Schopenhauer’s Telescope. 2003). Aus dem Englischen von Thomas Gunkel. Luchterhand-Verlag. 336 Seiten, 9,99 Euro.

(c) Frank Rumpel

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