Caryl Férey: Zulu

Südafrikanische Kriminalliteratur kommt hierzulande mit Autoren wie Deon Meyer oder Roger Smith gut an. Die einen mögen sich unanstrengende, vor Ort spielende Urlaubslektüre erhoffen, die anderen damit einen zwar fiktiven, dafür aber sicheren Blick auf die dunkle Seite der dortigen Gesellschaft werfen wollen. Die anstehende Fußballweltmeisterschaft sorgt da kurzfristig für einen nochmals größeren Markt, so dass es für die Verlage fast Pflicht sein dürfte, etwas aus oder über Süd-Afrika im Programm zu haben, gerne einen Kriminalroman. Der Piper-Verlag entschied sich für den Roman „Zulu“ des französischen Thriller-Autors Caryl Férey, der in Kapstadt kurz vor der WM spielt.

„Kapstadt war das Schaufenster Südafrikas. Deshalb hatte die First National Bank hier eine große PR-Kampagne gegen Gewalt und Kriminalität initiiert. Als eindeutige Ursache für die Entwicklung wurde die Untätigkeit der Regierung angesichts der chronischen Unsicherheit verantwortlich gemacht. Der wirtschaftliche Einnahme-Ausfall war enorm. Dabei war das Land, das in diesen globalisierten Zeiten das höchste Wirtschaftswachstum seiner Geschichte verzeichnen konnte, auf ausländische Investitionen angewiesen. Umso mehr, da sich Südafrika auf eines der größten Medienereignisse der Welt vorzubereiten begann, die Fußball-Weltmeisterschaft 2010. Die ganze Welt werde mit Argusaugen auf das Land blicken, so stellte es die Bank dar, und Südafrika dürfe einfach nicht ein solch schlechtes Bild abgeben. Wer würde noch in ein Land investieren, das weltweit als das unsicherste bekannt war?“

Im botanischen Garten Kapstadts wird die übel zugerichtete Leiche einer jungen, weißen Frau gefunden, kurz darauf eine zweite. Bei der Autopsie finden sich Spuren einer neuartigen, künstlich hergestellten Droge, mit verheerender Wirkung. Die Kriminalpolizei um den schwarzen Polizisten Ali Neumann, einem Zulu, der als kleiner Junge, während der Apartheid zusehen musste, wie sein Vater und sein Bruder von einem Mob brutal ermordet wurden, macht ein paar Straßengangster ausfindig, die den Stoff verkauft hatten und merkt zu spät, dass das Ganze eine weitaus größere Dimension hat. Ein Pharmaunternehmen und die organisierte Kriminalität haben ihre Finger in einem überaus perfiden Spiel. Die Beteiligten, allesamt Weiße, mischten bereits bei den Verbrechen der Apartheidsregierung kräftig mit.

Was eine kompakte, auch gesellschaftskritische Geschichte sein könnte, funktioniert bei Férey allerdings überhaupt nicht. Die einzelnen Teile der Erzählung greifen nicht wirklich ineinander. Féreys Roman ist deshalb weder besonders spannend, noch überraschend, sondern eher so etwas, wie eine Art brutale Nummernrevue, bei welcher der Autor kein gewalttätiges Detail auslässt, wohl nicht zuletzt deshalb, weil er meint, angesichts der wahrlich erschreckenden Verbrechensstatistik, würden die Leser einen Kriminalroman vom Kap ohne ausufernde Gewalt nicht wirklich ernst nehmen. Aber auch sonst offenbart Férey in seinem Thriller deutliche Schwächen. Seine Figuren sind ziemlich konturarm gezeichnet, Frauen und Männer oft vor allem gut aussehend und paarungswillig, die Killer überaus skrupellos. Der 1967 in der Bretagne geborene und weit gereiste Autor hat offensichtlich solide und umfangreich recherchiert, beschreibt seine Schauplätze detailreich, schafft es aber nicht, die allgemeinen Informationen so in seine Geschichte einzuflechten, dass sie Teil davon werden. Sie lesen sich wie aus Fachbüchern abgeschrieben. Und auch sprachlich gerät Férey immer wieder an seine Grenzen, arbeitet allzu viel mit drei Pünktchen am Ende eines Satzes und mancher Vergleich hinkt deutlich.

Der Schauplatz ist nun mal nicht alles und man wird beim Lesen das Gefühl nicht los, dass sich Férey vor allem darauf verlies. Seine Geschichte ist dünn, setzt zu sehr auf die grellen Effekte und verliert dabei manches aus dem Blick. Anderes ist so überzeichnet, dass es in einer eher humorfrei präsentierten Erzählung unfreiwillig komisch daher kommt. Zulu ist nicht wirklich ein Buch, das einem etwas über die südafrikanische Gesellschaft verrät und fürs Urlaubsgepäck gibt es definitiv besseres.

Caryl Férey: Zulu. Aus dem Französischen von Jörn Pinnow. Piper-Verlag, 477 Seiten, 19,90 Euro.

(c) Frank Rumpel

SWR2

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