Pentti Kirstilä: Den Göttern trotzt man nicht

knvmmdb-99.dllEin Mord auf Sizilien beschäftigt die Polizei in Finnland, denn umgebracht wurde ein finnischer Pornohändler. Der Hauptverdächtige ist flüchtig. Auch er ein Finne, der zufällig im selben Ort wohnt, wie Kommissar Lauri Hanhivaara, der zur selben Zeit auf Sizilien war. Völliger Quatsch, mag da mancher denken und genau so scheint es der finnische Autor Pentti Kirstilä am liebsten zu haben: irrwitzig konstruierte Geschichten mit eigenwilligem Personal. „Den Göttern trotzt man nicht“, der aktuell auf deutsch vorliegende, mittlerweile fünfte Band aus der Hanhivaara-Reihe, ist da keine Ausnahme.

Der Kommissar macht eher widerwillig Urlaub. Er ist verliebt und wäre gerne daheim. Bei seinen Mitreisenden gibt er sich als Versicherungsvertreter aus, weil er seine Ruhe haben will. „Wenn man sich als Polizist zu erkennen gab, benahmen sich die Menschen immer so merkwürdig, als ob sie vergessen hätten, wo ihr Wagen stand.“ Mit der Urlaubsruhe ist es vorbei, als Paavo Rantala, ein großspuriger, finnischer Pornohändler erstochen auf dem örtlichen Friedhof gefunden wird.

Der Verdacht fällt auf Aarno Piskonen, einen jungen Sonderling, der Rantala beschuldigte, ihm am Strand Geld gestohlen zu haben, ihm immer wieder verbal zusetzte und in seiner berechnenden Art fast schon Ripley’sche Qualitäten offenbarte. Am Tag des Mordes verschwindet er. Der Pornohändler hatte zuvor Drohbriefe erhalten, die ebenso auf die Mafia verweisen sollten, wie der Stein im Mund, mit dem dessen Leiche gefunden wird. Aber was da so eindeutig scheint, will alles nicht recht zusammen passen.

Zurück in Finnland nimmt sich Hanhivaara des Falles an, zumal Piskonen sich stellt. Er hat einen Privatdetektiv – Hanhivaaras Exkollegen – beauftragt, seine Unschuld zu beweisen. Obwohl viele Indizien auf ihn als Täter deuten, hat die Polizei nichts gegen ihn in der Hand. Allerdings schwemmen die Nachforschungen der Polizei nach und nach auch mögliche Motive weiterer Mitreisenden an die Oberfläche. So schien Rantalan zusammen mit einigen Kollegen ein großes, freilich illegales Geschäft zu planen und sein Zimmer teilte er unwissentlich mit einem Mann, dessen Schwester er vor Jahren vergewaltigte.

Der Erzähler ist die meiste Zeit nah an Hanhivaara, dessen Zynismus dem Ganzen einen kühlen, herrlich trockenen Ton verleiht. Da denkt etwa der Kommissar bei sich, „dass Finnen sich nur in Finnland ermorden lassen sollten. Das würde vielen Menschen Ärger ersparen.“ Und um sein sich positiv entwickelndes Privatleben nicht zu gefährden, wünscht sich der Kommissar „einfache und klare Messerstechereien, die ihm keine Überstunden abverlangten. Da es nun einmal nicht ohne Verbrechen abzugehen schien, sollten die Leute sie wenigstens tagsüber begehen.“

„Den Göttern trotzt man nicht“ ist intelligent, aber etwas absehbar konstruiert. Die meisten Figuren sind gewohnt präzise gezeichnet und deren Verwicklungen miteinander so komplex, dass sich bei der Mördersuche stets neue Fährten auftun. Kirstilä liefert alles in allem eine runde Geschichte – und doch macht sich nach der Lektüre etwas Enttäuschung breit. Die Erzählung hat an einigen Stellen Probleme zu überzeugen und ist an anderen eine Spur zu routiniert. Da ist manche Fährte etwas zu deutlich als Extrarunde gekennzeichnet und die Motive des Täters kann der Autor nicht wirklich glaubhaft vermitteln. „Den Göttern trotzt man nicht“, im Original 1981 erschienen, zählt sicherlich nicht zu Kirstiläs besten Romanen, auf gutem Niveau unterhalten fühlt man sich damit aber dennoch allemal.

Pentti Kirstilä: Den Göttern trotzt man nicht. Ein Fall für Lauri Hanhivaara.  Aus dem Finnischen von Gabriele Schrey-Vasara. Grafit-Verlag, 251 Seiten, 8,99 Euro.

(c) Frank Rumpel

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